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Mein Sommer Im Orcalab

Mein Sommer im OrcaLab

von Kristin Rudolph, Oktober 2013

Ich bin schon immer ein großer Wal- und Delfin-Fan, was sich bisher durch mein komplettes Leben gezogen hat. Seit 2004 bin ich Patin für den WDC-Patendelfin Speedy und blieb dadurch stets auf dem Laufenden, was WDC so erreicht. Mit meinen Eltern habe ich schon mehrere Reisen zu Orten weltweit gemacht, wo man besonders gut Wale und Delfine beobachten kann. Im Sommer 2011 habe ich beschlossen, mich nach der Schule noch mehr für den Schutz meiner Lieblingstiere einzusetzen und habe angefangen mich darüber zu informieren, was es so alles für Möglichkeiten gibt.

Bei meiner Suche bin ich auf das OrcaLab von Paul Spong und Helena Symonds gestoßen. Es liegt auf einer einsamen Insel vor der Küste Kanadas und ist eine einfach Forschungsstation, auf der das Verhalten von Orcas erforscht wird, ohne dass man mit einem Boot aufs Meer fährt und sie dadurch stört. Durch Unterwassermikrophone, sogenannte Hydrophone, werden die Gesänge der Orcas aufgenommen und analysiert. Man kann dann anhand ihres Dialektes sagen, welche Familie es ist und mit wem sie sich wo aufhalten, und das alles ohne sie überhaupt zu sehen!



Als ich mich näher über OrcaLab informiert hatte, stellte ich fest, dass die Gegend um OrcaLab die Heimat der Patenorcas, damals noch Kira und Uma, des WDC ist. Ich war sehr aufgeregt und wollte sie unbedingt sehen, um dann davon berichten zu können.
Im Juli 2012 war es dann soweit: Ich machte mich auf zu den Orcas nach Kanada. Als ich auf Hanson Island, der Insel auf der OrcaLab ist, zusammen mit den anderen Praktikanten angekommen bin, konnten wir es alle nicht erwarten, die ersten Wale des Sommers zu sehen. Unser wurde alles gezeigt, wie es funktioniert mit den Hydrophonen und alles andere rund herum um die Station. Bei unserem Rundgang rief dann plötzlich jemand, dass dort ein Wal vorbei schwamm. Wir dachten zunächst, dass es sich um einen Buckelwal handelte, da der Blas, die Atem-Fontäne von Walen, sehr deutlich zu sehen und groß war. Wir stellten allerdings sehr schnell fest, dass es sich hier nicht um einen Buckelwal handelte, sondern um eine Gruppe von Orcas. Wir konnten unser Glück kaum fassen, dass wir gleich am ersten Tag, kurz nach unserer Ankunft welche sehen würden.



Nachdem die ersten zwei Wochen meines Praktikums sehr ruhig verliefen, da sich keine Orcas in der Gegend aufgehalten haben, hörten wir eines Abends unsere ersten Orca-Gesänge. Es waren keine Boote oder andere Geräusche zu hören außer den Gesängen. Es war das schönste, was ich bis dahin jemals gehört habe! Von diesem Zeitpunkt an konnten wir regelmäßig den Orcas lauschen und manchmal fing sogar der ein oder andere Buckelwal an zu singen, was sich wirklich sehr lustig anhört.
Irgendwann war es dann endlich soweit: die Patenorcas sind in die Region der Johnstone Strait gekommen. Sehen konnte ich sie leider nie, da sie sich immer woanders aufgehalten haben, dafür konnte ich ihnen aber zuhören, was auch ein sehr schönes Erlebnis war!
Eine Woche von meinen zwei Monaten durfte ich auf CP, Cracroft-Point, ein Außencamp von OrcaLab, verbringen. Es besteht nur aus einer kleinen Hütte, die direkt am Meer steht, und einer Art Plattform oder Terrasse, welche bei Flut ca. einen Meter über dem Meeresspiegel ist. Man kann von dort aus über die ganze Johnstone Strait schauen und somit auch Orcas in großer Entfernung beobachten. Alles was wir immer gehört und gesehen haben, haben wir genau aufgeschrieben, damit Helena und Paul danach nachvollziehen konnten, was passiert war. Auf CP verbrachte ich eine sehr schöne Zeit, mit sehr vielen Wal-Begegnungen. An einem Tag schien eine Art Wal-Party stattzufinden. Es kamen mehrere Orca-Familien zusammen und sie haben uns einige ihrer spektakulärsten „Tricks“ vorgeführt, unter anderen sind sie aus dem Wasser gesprungen, haben mit ihren Brustflossen aufs Wasser geschlagen oder haben ihre Schwanzflossen weit aus dem Wasser gehoben, wobei einer sogar das Gleichgewicht verloren hat und vorwärts umgekippt ist. Die Orcas haben sogar über dem Wasser Geräusche gemacht, was sich teilweise wie ein Motorboot angehört hat. Zwischen den ganzen Orcas hatte sich auch ein Buckelwal namens KC (Kelp Creature) versteckt. Wir sahen ihn einige Male springen, dann ist er ca. 3m von der Plattform entfernt geschwommen und hat geatmet. Er war so nah, dass wir sogar seine weißen Brustflossen unter Wasser sehen konnten! Uns blieb zunächst der Atem weg, bis wir realisiert hatten, was da soeben geschehen war. Danach konnten wir unsere Begeisterung erstmal nicht mehr zurückhalten und sind vor Freude durch die Gegend gesprungen.
Zurück auf Hanson Island hatte ich noch einige kleine Highlights, die genauso unvergesslich sind wie meine Zeit auf CP. Als ich eines Mittags mit zwei anderen Praktikanten eine kleine Pause in der Sonne eingelegt hatte, hörten wir plötzlich einen lauten Knall! Wir sind sofort alle aufgesprungen, um dann zu sehen, dass ein Buckelwal keine 50m vom Ufer entfernt abtauchte! Der Knall war das Geräusch seines Atemzuges, das wir sonst immer aus viel größerer Entfernung gehört hatten und uns bis dahin nicht klar war, wie laut es wirklich war. Wir hatten zuvor noch keinen Wal gesehen, der so nah ans OrcaLab heran gekommen ist. Normalerweise halten die Meeresriesen mindestens 200m Abstand zur Insel. Leider war er zu schnell weg, daher konnten wir ihn nicht identifizieren und wissen bis heute nicht, wer er war.



Wir haben in Zelten etwas weiter im Wald geschlafen. Da auf der Insel außer OrcaLab nichts ist, wird es nachts sehr dunkel, sodass man seine Hand vor den Augen nicht mehr sieht, wodurch wir manchmal die Wale nur gehört haben, wenn sie vorbei geschwommen sind. Manchmal lag ich nachts im Bett in meinem Zelt und konnte hören, wie Buckelwale ganz in der Nähe vorbei geschwommen sind und laut geatmet haben, sonst war nichts zu hören.

Manchmal machten wir abends ein Lagerfeuer, in dem wir dann Marshmallows gegrillt haben. Um es zu löschen mussten wir mit Eimern Meerwasser holen und es rüber kippen. An zwei Abenden, hatten wir das Glück eine Biolumineszenz im Meer zu sehen. Das mysteriöse Meeresleuchten wird durch Plankton hervorgerufen, wenn es bewegt wird. Wir haben uns einen Spaß daraus gemacht und immer wieder mit unseren Eimern Wasser aufgenommen und es dann wieder ins Meer geschüttet, wodurch wir das Leuchten besonders gut sehen konnten. Manchmal haben wir auch große Steine oder Äste ins Meer geworfen, nur um das blau-grüne Licht sehen zu können.  Wir haben uns immer gewünscht, dass ein Wal auftaucht und wir ihn dann im leuchtenden Wasser auch nachts sehen könnten, was leider nie geschehen ist.

Nach meinen zwei Monaten im OrcaLab war ich sehr traurig, dass ich wieder nach Hause musste, denn es hat mir sehr gut dort gefallen. Es ist für mich der schönste Sommer, den ich je hatte!

Durch OrcaLab habe ich gesehen, wie die Arbeit von echten Walforschern wirklich ist und wollte dann sehen, wie das alles hinter den Kulissen bei einer Wal- und Delfinschutzorganisation aussieht. Da ich Patin bei WDC bin, ist mir die Organisation natürlich als erstes eingefallen. Nach meinem Vorstellungsgespräch war ich noch neugieriger und konnte es kaum erwarten hier Praktikantin zu sein. Ich war jetzt sechs Wochen hier und muss sagen, dass es mir wirklich sehr gut gefallen hat! Mir hat es Spaß gemacht hier zu arbeiten und es wurde nie langweilig.


Das WDC Team sagt DANKE, Kristin, für deine Unterstützung!




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