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Walgeschichten Aus Südafrika

Hallo liebe Besucher der WDC Kids Homepage,

Ich heiße Corina und war Praktikantin bei WDC in München. Bevor ich zu WDC gekommen bin, war ich 2 Monate in Südafrika und hab dort einige Sachen mit Delfinen und Walen erlebt, die ich euch gern erzählen möchte.




Mein erster Wal!


Meine Reise hat in Kapstadt angefangen. Dort, in einem kleineren Ort der Simon’s Town heißt, hatten meine Freundin und ich ein paar ruhige Tage eingeplant, um die tolle Natur und das Meer zu genießen, das Wetter machte uns da allerdings einen Strich durch die Rechnung. Also entschieden wir, an diesem Tag nur mit dem Zug in einen Nachbarort zu fahren und uns da alles anzuschauen was es so zu sehen gab. Leider haben wir den Zug, der nur einmal in der Stunde fährt, natürlich genau verpasst und mussten also auf den nächsten warten. Zum Glück war gleich gegenüber von der Station ein Strand, der Long Beach, die Sonne war gerade rausgekommen und es wurde richtig schön warm. Also setzten wir uns in den Sand, schauten auf das Meer raus und unterhielten uns. Auf einmal sah ich einen Spritzer im Wasser, aber weil ich mich schon so oft getäuscht hatte die letzten Tage sagte ich erstmal nichts. Doch da war er nochmal und auch meine Freundin meinte: „Schau mal da hinten… ist das...?“ Und tatsächlich: Dort, sogar relativ nah am Strand, war ein riesiges Tier zu sehen, dass immer wieder Wasser ausblies und herumschwamm, unser erster Wal! Es war ein Südkaper, der zur Familie der Glattwale gehört und die zu dieser Zeit gerade an diesem Punkt von Südafrika vorbei ziehen. Im Winter, was bei uns der Sommer ist, leben sie dort im kälteren Wasser. Im September/ Oktober wandern sie dann weiter, weil ihnen das Wetter im Süden zu warm wird und sie dadurch nicht mehr so gut tauchen und schwimmen können. Ich hatte aber Glück, weil dieses Jahr ein langer und kalter Winter in Südafrika war und die Wale an diesem Tag die ersten warmen Sonnenstrahlen an der Wasseroberfläche genossen haben. Als wir in den benachbarten Ort gefahren sind, konnten wir noch viel mehr Südkaper dabei beobachten, wie sie mit einer Seitenflosse nach oben im Wasser gelegen sind und die Sonne genossen haben. Aber meinen ersten Wal, der dort so glücklich im Wasser gespielt hat, werde ich nie vergessen!



Eine Strandung!


Ich möchte euch gern von einem weiteren Zusammentreffen mit Walen erzählen, das ich in Südafrika erlebt habe. Leider ist es diesmal keine frohe Geschichte aber ich finde sie trotzdem wichtig, weil es mich den Tieren wieder ein Stück näher gebracht hat.
Ich war mittlerweile in Mossel Bay bei meinem Meeresbiologie Praktikum. Das ist circa 4 Stunden von Kapstadt entfernt und ich war für einen Monat dort bei der Organisation untergebracht. Wir sammelten gerade Daten als  unsere Betreuerin, die sich auf Wale und Delfine spezialisiert hatte und gerade an ihrer Masterarbeit darüber schrieb, gegen Mittag einen Anruf bekam. Ganz aufgeregt kam sie zurück und erzählte uns, dass Spaziergänger zwei gestrandete Wale gesichtet haben und dass wir möglichst schnell zurück fahren müssten um das zu überprüfen. Also packten wir unsere Sachen ein und fuhren  zum Büro zurück. Dort waren alle schon informiert und jeder ist in irgendein Auto gesprungen um zu dem Strandabschnitt zu fahren und zu helfen. Wir natürlich auch, als wir ankamen parkten alle Autos kreuz und quer und wir liefen über zwei Sanddünen hinweg zum Meer. Die anderen Praktikanten waren schon dort und im Wasser, in zwei Gruppen kämpften sie gegen die großen Wellen: Sie versuchten die zwei Wale zurück in das Meer zu bringen. Es waren zwei Zwergpottwale, Mutter und Kalb. Die Tiere werden ca. 3 Meter lang und sehen wirklich aus wie kleine Pottwale. Wir als neue Helfer rannten sofort angezogen ins Wasser, versuchten den anderen zu helfen und die Wale strandaufwärts in weniger starke Wellen zu schieben. Das Wasser war kalt, das Wetter bewölkt und die Wellen sehr hoch, außerdem waren die Wale schon sehr schwach und wir mussten immer darauf achten, die Köpfe hoch an der Oberfläche zu halten damit sie atmen konnten. Wir hatten die Mutter relativ weit rausgezogen und geschoben, da fing sie an mit der Schwanzflosse zu schlagen und das Wasser war plötzlich voller Blut. Sie hatte vermutlich schon nachts stundenlang am Strand gelegen und dadurch hatte das viele Fett, das die Tiere zur Isolation im Wasser benötigen, die Organe sehr beschädigt. Durch diese starken Schläge allerdings schaffte es die Mutter ins offene Meer und hinter die Wellenbrecher. Bevor wir allerdings das Junge hinterherbringen konnten, sahen wir sie 200 Meter weiter wieder stranden- sie wollte nicht ohne das Junge schwimmen und kam zurück um nach ihm zu sehen. Die Wellen wurden immer höher und stärker und unsere Chancen und damit die der Wale immer kleiner.



Wir hielten die Wale am Strand, damit die Wellen sie nicht ständig hin und her spülten. Ich war am Kopf der Mutter, konnte in ihre Augen sehen, ihren Atem hören und  ab und  zu trafen mich die Wassertropfen die  sie mit ihrer ausgestoßenen Luft nach oben blies. Ihre Haut war sehr glatt, fest und gleichzeitig weich durch das Fettgewebe darunter, ich konnte ihre Narben sehen und ihr über die Schnauze streicheln. Wir alle redeten mit ihr und hofften, dass noch eine Lösung gefunden werden kann.
Am Ende entschieden die Verantwortlichen, das alle unsere Bemühungen keinen Erfolg bringen würden: Der Wellengang war so stark dass wir nicht mehr ins Wasser durften, die Gefahr dass wir in die Strömung geraten war zu groß. Das Kalb alleine war zwar äußerlich gesund aber ohne die Mutter würde es im offenen Meer nicht lange überleben. Die Mutter selbst hatte starke innere Blutungen, die Wal- Expertin selbst meinte es sei ein Wunder dass sie die ganzen Strapazen bis jetzt überlebt hatte. Also wurde entschieden, die Tiere zu erlösen. Wir mussten uns von den Tieren verabschieden und den Strand verlassen.
Zwar war dieses Erlebnis sehr traurig aber auf der anderen Seite hatten wir alles getan um den Tieren zu helfen. Und am Ende war selbst ihr Tod eine Hilfe für die Tiere, lieber sollten sie schnell und schmerzlos sterben als noch ewig dort zu liegen. Der Tag hat mir gezeigt wie gut Leute aus verschiedensten Ländern zusammenhelfen können, wenn es um das Leben eines Tieres geht und wie faszinierend diese Tiere von Nahem sind. Es lohnt sich, für sie zu kämpfen auch wenn es nicht immer ein gutes Ende nimmt.

Mittendrin ...

Als drittes und (vorerst!) letztes Erlebnis mit Walen und Delfinen möchte ich euch davon erzählen, wie es war freien und wilden Delfinen ganz nah zu sein und sie beim Spielen im Wasser zu beobachten. In der letzten Woche meines Praktikums in Südafrika war es endlich soweit: Das zweite Boot war wieder repariert und wir konnten damit zum Delfinschauen rausfahren. Die Masterstudentin, die diese Fahrt leitete, hatte die Erlaubnis, Delfinen hinterherzufahren, da sie die Anzahl und Bewegungen der Delfine in der Bucht für ihre Arbeit überprüft- und wir durften ihr dabei helfen! Diese Erlaubnis müssen übrigens auch Whale Watching Anbieter haben, damit sie die Tiere nicht behindern oder gefährden (mehr dazu auch hier auf der Homepage). Also sind wir um 6 in der Früh los gefahren mit der Hoffnung, dass wir möglichst viele Tiere sehen. Aber das Meer ist groß und die Delfine hatten wohl andere Sachen zu tun, auf jeden Fall ließen sie auf sich warten. Also genossen wir die Wellen, fuhren die verschiedenen Koordinaten ab, lagen in der Sonne und suchten das Meer nach Anzeichen von Delfinflossen ab. Fast hatten wir den Tag schon aufgegeben da kam vom Oberdeck: „Delfine!“ Erst waren es nur zwei, dann drei, und dann plötzlich waren sie überall! Geschätzt tauchten plötzlich 40 Tiere um uns herum auf, sprangen aus dem Wasser, klatschen mit den Hinterflossen auf die Wasseroberfläche, kamen bis auf einen Meter an das Boot heran und schwammen mit auf der Bugwelle. Diese faszinierenden Meeressäuger so nah und so lebendig und vor allem lebensfroh zu sehen war ein unfassbares Erlebnis, noch dazu wenn man weiß dass sie das einfach aus Spaß machen, keiner gibt ihnen eine Belohnung dafür oder sagt ihnen dass sie das tun sollen- sie machen es aus purer Lebensfreude!
Als wir so circa für eine halbe Stunde herumgefahren sind schlug die Schule plötzlich eine neue Richtung ein: Richtung Strand. Was sie wohl dort wollten? Bald sahen wir es: Sie surften auf den Wellen! Wie auch menschliche Surfer warteten sie ab bis die Welle brach und sprangen dann mit hoher Geschwindigkeit aus dem Wasser, überschlugen sich, schwammen in den sich zurückziehenden Wellen wieder zurück. Inzwischen war es Abend und wir mussten diese idyllische Szene leider verlassen- die Tiere selber haben wohl noch Stunden so weitergemacht. Aber es wird sicher nicht das letzte mal gewesen sein, dass ich Delfine in freier Wildbahn beobachtet habe!






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