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Unsere Art Der Woche: Benannt Nach Einem Norwegischen Walfänger - Der Brydewal

Der Brydewal  (Balaenoptera brydei) ist eine Walart aus der Familie der Furchenwale (Balaenopteridae). Furchenwal heißen die Mitglieder dieser Walfamilie deshalb, weil sie im Halsbereich sogenannte Kehlfalten haben.  Brydewale haben 40 bis 70 von diesen Kehlfalten. Aber für was sind denn diese Furchen überhaupt gut, oder ist das etwa nur eine Zierde? Natürlich nicht, durch diese Falten können die Wale bei der Nahrungsaufnahme ihren Mundraum noch einmal vergrößern. Sie können also mehr Wasser aufnehmen, um ihre Nahrung herauszufiltern. Die Wale ernähren sich hauptsächlich von Schulen bildenden Fischen wie Sardellen und Sardinen („Schulen bilden“ bei Fischen bedeutet, dass die Fische gern in einer großen Gruppe schwimmen),  dazu von Krill und anderen planktontischen Krebstieren (das sind sehr kleine Lebewesen, die die Wale mit ihren Barten aus dem Wasser filtern können). Die Barten des Brydewals sind an diese Ernährungsgewohnheiten angepasst und deswegen verhältnismäßig grob.



Und wie genau sieht der Brydewal eigentlich aus?
Brydewale sind schlank und rauchig blaugrau gefärbt, ihre kleine Rückenfinne ist sichelförmig und sitzt weit hinten am Körper. Oft sind Brydewale gesprenkelt mit Narben, die sie sich durch Parasiten und/oder Zigarrenhaien zugezogen haben. Die Brustflossen sind schlank, zugespitzt und mit einem Zehntel der Körperlänge relativ kurz. Die breite Schwanzflosse, die für diese Walart typisch ist, kann man nur selten außerhalb des Wassers  sehen.



Zum Verwechseln ähnlich
Der Brydewal ist der einzige Bartenwal, der das ganze Jahr über in warmen Gewässern in Äquatornähe lebt - deshalb heißt er auch manchmal „Tropischer Wal“. Brydewale sind nahe mit anderen schnell schwimmenden, mittelgroßen bis großen Walen verwandt, die alle eine ähnliche Körperform besitzen und daher bei Sichtungen auf hoher See miteinander verwechselt werden können. Zu dieser Gruppe gehören der Seiwal, der Zwergwal und der Finnwal.

Neugierig, aber keine Akrobaten
Bei der Nahrungsaufnahme sind Brydewale Einzelgänger, nur Mutter und Kalb fressen gemeinsam. Bei der Nahrungssuche an der Oberfläche und in der Tiefe können Brydewale plötzliche Richtungswechsel vollführen. Mitunter erweisen sie sich als neugierig, nähern sich Schiffen oder schwimmen neben diesen her. Sie tauchen nur in unregelmäßigen Abständen zum Atmen auf, man weiß nie genau wann. Oft blasen sie vier bis sieben dünne, nebelartige Strahlen in die Luft, bevor sie für etwa zwei Minuten abtauchen. Sie können aber auch deutlich länger unter Wasser bleiben. Beim Auftauchen schaut selten mehr als die  Oberseite ihres Kopfes aus dem Wasser.



"brüde" und nicht "braid"
Woher hat der Wal eigentlich seinen seltsamen Namen? Der Brydewal ist nach dem norwegischen Geschäftsmann und Walfänger Johan Bryde (1858 – 1925) benannt, der 1909 als norwegischer Botschafter in Südafrika an der Errichtung der ersten Fabrik zur Verarbeitung von Walen in Durban (Südafrika) beteiligt war und ab 1908 den Walfang in Südafrika leitete. Davor hatte er bereits 1890 im Sandefjord (Norwegen) eine Reederei gegründet. Der Walfang war zu der Zeit die Haupteinnahmequelle im Sandefjord und Johan Bryde war einer der dortigen Walfänger. Der Name der Walart wird daher  "brüde" und nicht "braid" ausgesprochen. In Norwegen jagt man heute nahezu ausschließlich Zwergwale.

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Bedrohung durch Umwelteinflüsse und Walfang
Wie andere Großwale auch sind die Brydewale den Umwelteinflüssen wie der chemischen Meeresverschmutzung und Verunreinigung der Meere durch Lärm ausgesetzt. Da es sich für die Walfänger mehr lohnt, Brydewale an Stelle der kleineren Zwergwalen zu jagen, stellt der kommerziellen Walfang für sie eine große mögliche  Gefahr dar (kommerziell bedeutet, wenn die Wale gejagt werden, um damit Geld zu verdienen). Im Sommer 2000 wurden erstmals seit mehr als 10 Jahren trotz bestehendem Walfangmoratorium (ein Beschluss, dass keine Wale mehr gejagt werden dürfen) 43 Brydewale von japanischen Walfängern im Nordwestpazifik erlegt. Japan hat sich die Tötung von  50Tieren pro Jahr im Rahmen des japanischen "wissenschaftlichen Walfangs" selbst erlaubt.
 
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Ölkatastrophe bedroht auch unsere Art der Woche
Wie du sicher schon in den Nachrichten gehört hast, laufen seit der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ von der Firma BP am 20. April im Golf von Mexiko jeden Tag 160.000 Liter Roh-Öl ins Meer. Die Gefahr für die Meerestiere im Golf von Mexicowird damit jeden Tag größer. Es wurden 19 Arten von Walen und Delfinen im Golf von Mexiko gezählt, dazu gehören auch die ernsthaft bedrohten Nordkaper. Ebenfalls ist eine Gruppe Pottwale, denen das Gebiet an der Küste Louisianas als Futterplatz dient, durch den Ölteppich stark gefährdet. Auch der Große Tümmler schwimmt durch das Gebiet, ebenso wie der Brydewal, dessen typischen Fressgewohnheiten von Interessierten im Kalifornischen Golf von Mexico beobachtet werden kann. Es wurden aber auch schon Buckelwale im Golf von Mexiko gesichtet. Des Weiteren kann man auch je nach Jahreszeit Kleinst- und Zwergpottwale in diesen Gewässern finden.

Alle diese Arten sind durch den wachsenden Ölteppich akut bedroht!



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