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Unsere Art Der Woche: Der Richtige Wal

Unsere Art der Woche: Der „richtige“ Wal



Südliche Glattwale (Eubalaena australis) heißen auf Englisch „Right whales“ – die „richtigen Wale“. Die Wale haben ihren besonderen Namen aus der Geschichte des Walfangs – denn die Walfänger fanden damals, dass diese Walart besonders gut und einfach zu jagen ist, genau die „richtige“ also für ihre Zwecke. Und warum konnte man Glattwale so einfach jagen? Sie sind zum einen sehr langsam (und deshalb ist es leicht, ihnen näher zu kommen) und sie leben außerdem nahe an der Küste und treiben nach ihrem Tod an der Oberfläche. Aus Glattwalen wurden große Mengen an Öl, Fleisch und Barten gewonnen. Der Südliche Glattwal, der durch den Walfang der Vergangenheit beinah ausgerottet wurde, erholt sich leider nur langsam.

Südliche Glattwale – die südlichen ihrer Art
Südliche Glattwale paaren sich und kalben in den Küstengewässern Chiles, Argentiniens, Brasiliens, Südafrikas, Südaustraliens und einiger Inseln in der südlichen Halbkugel. In den Sommermonaten schwimmen sie weiter in Gewässer um den antarktischen Kontinent, um dort zu fressen. Nördliche Glattwale, die den Südlichen Glattwalen sehr ähnlich sind, leben nur auf der Nordhalbkugel und kreuzen sich nie mit den Südlichen Glattwalen, die auch Südkaper genannt werden.



Blinde Passagiere: Walläuse
Südliche Glattwale sehen sehr lustig aus: sie haben große Knubbel am Kopf, woran man sie leicht erkennen kann. Auf diesen „Knubbeln“ oder Schwielen haben sich noch einige winzig kleine Lebewesen festgesetzt, die mit den Walen auf die Reise durch den Ozean gehen: Wallläuse. Durch diese kleinen blinden Passagiere sehen die Wale ein wenig weiß, rosa, gelb oder orange aus. Südkaper besitzen mehr solcher Auswüchse auf ihrer Unterlippe und weniger auf dem Kopf als Nordkaper. Und obwohl es noch einige andere Unterschiede gibt, sind die beiden Arten doch fast dieselbe Spezies. Die größte der Kopfschwielen sitzt auf der Spitze des Oberkiefers und sieht aus wie ein kleines Häubchen; darum wird sie auch als "Mütze" bezeichnet. Südkaper zeichnen sich durch sehr breite Rücken aus, denen die Finnenflosse fehlt. Der Kopf ist sehr groß, die Kieferlinie gebogen und die Brustflossen sind ebenfalls groß und breit.

Woran erkennst du die „richtigen“ Wale?
Wale kann man durch verschiedene Merkmale unterscheiden. Die Schwanzflosse dieser Südlichen Glattwale erkennt man sehr leicht an einer tiefen Kerbe in der Mitte und ihren breiten und glatten, konkav geformten Kanten. Die Haut der Tiere ist schwarzbraun mit weißen Flecken auf der Bauchseite. Auf jeder Seite des Oberkiefers finden sich 220 bis 260 Bartenplatten mit fransigen Rändern. Die Barten (das sind die Hornplatten der Bartenwale, die diese an der Stelle von Zähnen haben, um damit Plankton zu Filtern) werden 2,8 Meter lang und sind normalerweise dunkelbraun, grau oder schwarz gefärbt. Unterwasser sehen sie manchmal etwas gelb aus und bei jüngeren Tieren sind sie eher heller. Südliche Glattwale haben zwei Blaslöcher und ihr Blas ("Atemwolke") ist breit und V-förmig. Er kann sogar bis zu 5 Metern hoch werden! Neugeborene Kälber sind zwischen 4,5 und 6 Metern lang und die erwachsenen Tiere können 11 bis 18 Metern lang werden. Südkaper-Jungen sind bei der Geburt nicht nur schon richtig lang sondern auch ganz schön schwer: sie wiegen etwa eine Tonne, und ausgewachsene Tiere zwischen 30 und 80 Tonnen. Sie ernähren sich von Krill (Kleinstlebewesen im Meer) und/oder andere Kleinkrebse (Crustaceen).



Die WDCS erforscht die Südlichen Glattwale in Argentinien

Seit 1991 unterstützt die WDCS das Vorhaben der Organisation “Fundación Cethus”, die seltenen Commerson-Delfine in Südpatagonien zu erforschen. Seitdem sind viele spannende Erkenntnisse über diese Art gewonnen worden. Im Rahmen dieses Projekts konnten die Studien auf viele weitere Arten der Region ausgeweitet werden – darunter der Peale-Delfin, der Seiwal und auch der Südliche Glattwal .

Mysteriöses Kälbersterben gibt Rätsel auf

Vor ein paar Jahren fing es an, dass Glattwale an der argentinischen Küste Patagoniens angespült wurden. Trauriger Weise sind bis heute 308 tote Wale seit 2005 am Strand aufgetaucht.
Das schlimme ist: fast 88 Prozent dieser gestrandeten Wale sind Kälber, die weniger als drei Monate alt waren. Merkwürdigerweise hatten viele der angespülten Körper eine unnormal dünne Fettschicht (Blubber). Das heißt, dass fast ein Drittel der Glattwalkälber, die man in den letzten fünf Jahren gesehen hat, zu den toten Kälbern gehören.

Was die Wale tötet, weiß man noch nicht
Die Glattwal-Tode in den Gewässern rund um Peninsula Valdés gehören zum größten Sterben unter Großwalen, das Forscher jemals beobachtet haben. Was die Wale tötet, weiß man aber leider noch nicht...



Wichtigstes Aufzuchtgebiet: Die Valdés-Halbinsel
Der Leiter des WDCS Projektes in Argentinien, der Wissenschaftler Miguel Iniguez, erklärt uns, warum die Gebiete in Patagonien geschützt werden müssen:„Die Valdés-Halbinsel zählt zu den wichtigsten Aufzuchtgebieten für diese Art der Südlichen Halbkugel “.

++ Hier klicken und einen Blick in die Glattwal-Kinderstube werfen ++

Ungefähr ein Drittel der aller Glattwale auf der Südlichen Halbkugel nutzen die geschützten Buchten der Valdés-Halbinsel in den Monaten zwischen Juni und Dezember, um dort ihren Nachwuchs auf die Welt zu bringen und diesen aufzuziehen.
Es ist sehr wichtig, das die Gründe für dieses mysteriöse Sterben der Kälber erforscht wird, damit man etwas dagegen unternehmen kann. Dazu müssen die Südlichen Glattwale auch in ihren großen Nahrungsgebieten unbedingt genauer beobachtet werden.



Wir gehen für Wale in die Luft

Wale kann man am besten durch Fotos ihrer Fluken und anderer besonderer Merkmale auseinander halten. Und von wo aus macht man am besten solche Fotos? Natürlich aus der Luft über dem Meer! Deshalb steigen unserer Argentinischen Wissenschaftler oft in einen Hubschrauber, um möglichst viele gute Fotos von oben machen zu können. Wenn sie die Wale auf den Fotos erkennen und die Ergebnisse mit denen anderer Wissenschaftler vergleichen, können sie so das Vorkommen und Verhalten besser erforschen

Dem Rätsel auf der Spur
Im Gegensatz zu den Nordatlantischen und Nordpazifischen Glattwalen, von denen leider nur noch wenige Hundert Tiere leben, konnten sich die Südlichen Glattwale - wenn auch langsam - ein wenig besser von den schlimmen Zeiten des Walfangs erholen. Der Südliche Glattwal gehört zu einer der am meisten verbreiteten Glattwal-Arten der Welt. Aber um ihr langfristiges Überleben zu sichern, muss die Sterbeursache der Kälber untersucht und schnellstmöglich bekämpft werden.

Weitere spannende Informationen über Südliche Glattwale findest du in unserem Online-Artenführer!


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