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Wenn Es Walen Zu Laut Wird

Stell dir vor, du stehst am Strand, du schaust auf das schier endlose Meer vor dir, du lauschst dem gleichmäßigen, sanften Rauschen der Wellen, alles ist ruhig... Schön oder?

Aber wie schaut es eigentlich unter Wasser aus? Ist es da auch so schön ruhig?

Bevor du hier weiter liest, dreh bitte deinen Lautsprecher laut auf und hör dir diese drei Videos an:
Video 1
Video 2
Video 3
Na, was sagst du jetzt? Ziemlich unangenehm und gar nicht so schön ruhig wie man denkt, oder?! Das was du da gerade gehört hast, war aber nur ein kurzer Ausschnitt von dem, was die Wale die ganze Zeit über hören müssen. 24 Stunden am Tag, ohne Pause!
Durch Bombenexplosionen unter Wasser, Tiefflüge von Kampfflugzeugen, den Einsatz von Sonarsystemen (dadurch kann man herausfinden, wo sich Objekte in mehreren tausend Kilometern Entfernung befinden), Schiffsschrauben von Frachtschiffen und Öltankern, Bohrtürme, usw. verursachen die Menschen einen wahnsinnigen Lärm unter Wasser und bringen so das Leben der Wale ziemlich durcheinander.

Für Wale und Delfine ist das Gehör das wichtigste Sinnesorgan, um alles um sie herum wahrzunehmen. Bei allen Walen werden selbst die leisesten Geräusche zu Bildern verarbeitet, an Hand von denen sie sich dann orientieren. Hinzu kommt noch die Orientierung und Kommunikation durch die Echolokation. Das bedeutet, die Wale senden selbst Laute ins Meer, die dann von einem Gegenstand oder Lebewesen als Echo zurückkommen. Dieses Echo wird vom Wal aufgenommen und ausgewertet, so dass er dann weiß, wo sich zum Beispiel Beute befindet. Wenn Wale miteinander kommunizieren, dann machen sie das, auch bei großer Entfernung, ebenfalls über Geräusche. Diese Kommunikation zwischen den Tieren ist wichtig für die Verbindung zwischen Mutter und Kind, für die Vermeidung von Gefahren, für die Jagd, für den Zusammenhalt einer Gruppe, etc.
Durch den zunehmenden Lärm unter Wasser wird das alles aber immer schwieriger, weil die Wale viel zu viele, sehr laute Geräusche wahrnehmen. Das ist wie wenn du dich mit einem Freund unterhalten willst, aber gleichzeitig deine fünf Geschwister neben dir schreien, der Nachbar den Rasen mäht, die Handwerker euer Haus renovieren und nebenzu dein Radio auf voller Lautstärke läuft. Du verstehst nichts, bist total genervt und willst eigentlich nur noch weg! Da die Wale unter Wasser leben, ist für sie der Lärm noch mal schlimmer, als für uns Menschen der Lärm an Land. Denn Schall breitet sich über weite Distanzen im Wasser wesentlich schneller aus, als in der Luft.

Für die Wale hat der Lärm schlimme Folgen: Die Tiere sind sehr gestresst und ihre Gehörorgane werden geschädigt. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Wale durch die Flucht vor dem Lärm zu schnell auftauchen, was tödlich sein kann. Durch den Lärm haben sie Probleme mit der Wahrnehmung ihrer Umwelt, was die Nahrungssuche und Orientierung erschwert. Außerdem wird die Kommunikation zwischen den Tieren gestört. Wenn es den Walen zu laut wird, ändern sie auch ihr Verhalten. Sie vermeiden lärmverseuchte Gebiete, auch wenn es wichtige Nahrungs- oder Aufzuchtsgebiete für die Jungen sind, sie weichen von ihren Wanderrouten ab und verlieren die Orientierung. Pottwale zum Beispiel wandern jedes Jahr von polaren Gewässern im Norden in Richtung Süden. Dabei treffen sie auf Ölbohrinseln vor den Shetland Inseln (nördlich von Großbritannien). Der durch das Bohren verursachte Lärm kann die Tiere erschrecken und zur Flucht veranlassen. Sie weichen dann von ihrer Route ab und verirren sich in die Nordsee. Dort sind aber keine Beutetiere für die Pottwale und es ist viel zu flach. Die Folge ist, dass die Wale schließlich ausgehungert und völlig orientierungslos stranden.

Auch die Schweinswale sind vom zunehmenden Lärm in der Nordsee stark betroffen. 2007 fanden im deutschen Naturschutzgebiet Doggerbank Untersuchungen statt, bei denen über 10 Wochen hinweg das Gebiet 24 Stunden täglich mit Schallwellen durchforstet wurde. Dieses Naturschutzgebiet mitten in der Nordsee ist aber ein wichtiger Lebensraum für die streng geschützten Schweinswale, die dort viel Nahrung finden und ihre Jungen zur Welt bringen und aufziehen. Der durch die Untersuchungen produzierte Unterwasserlärm führte nicht nur zu Dauerstress für die Schweinswale, sondern kann auch Fehlgeburten verursachen und wie bei den Pottwalen zur Flucht führen.



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