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Flackernde Lichter

Die Autorin und Illustratorin Doris Thomas hat uns ein Weihnachtsgedicht gestiftet. Es entspringt tief im Meer und versetzt in weihnachtliche Stimmung. Danke!

Flackernde Lichter
(c) Doris Thomas

Irgendwann im Dezember an einem weit entfernten Strand
sahen Delfine etwas Seltsames jenseits vom Sand.
Die Nacht war dunkel, am Himmel kaum Sterne,
doch dort flackerten Lichter, weit in der Ferne.

Da schwammen sie näher, die Neugier war riesig,
doch die Gischt nahm die Sicht, es war etwas diesig.
Sie reckten die Köpfe aus dem Wasser heraus,
das Flackern sah irgendwie seltsam aus.

Dann erkannten sie es und glaubten es kaum,
es waren kleine Feuerchen an einem Baum.
Die Flämmchen tanzten und verbreiteten ein warmes Licht.
Auf wundersame Weise verbrannten die Blätter jedoch nicht.

Rings um den Baum, in der dunklen Nacht kaum zu sehen,
entdeckten die Delfine viele Menschen im Kreise stehen,
Hand in Hand, oder Arm in Arm, den Blick zu den Lichtern,
es war so viel Liebe und Freude in ihren Gesichtern.

Die Delfine spürten, es war eine besondere Nacht,
der Geist des Friedens kam mit aller Macht.
Sie fühlten das Gute und bedauerten sehr:
„Warum haben wir das nicht auch bei uns im Meer?“

Sie grübelten und dachten: „Wie machen wir das?
Hier bei uns im Wasser ist es für Feuer zu nass.“
„Aber wäre es nicht schön, beisammen zu sein,
friedlich und fröhlich bei glimmerndem Schein?“

Da sahen sie ein winziges Licht und sausten drauf zu.
Es war ein Leuchtkrebs, doch er verschwand im Nu.
„Bitte komm aus deinem Versteck heraus,
denn du siehst für uns sehr hilfreich aus.“

Die Delfine versprachen den Krebs zu beschützen,
er würde deshalb niemand als Nahrung nützen.
Dann erzählten sie von dem Baum und den Lichtern,
und von den vielen glücklichen Gesichtern.

Da kam der Leuchtkrebs langsam herausgeschwommen.
„Dann müssen aber viele von mir zusammenkommen!“
Er rief seine Freunde und weihte sie in das Geheimnis ein,
dies soll unsere eigene Nacht der Nächte sein.

Die Delfine verbreiteten die freudige Kunde,
man solle doch kommen in die besondere Runde.
Es tönte die Nachricht bis weit in das Meer,
von überall kamen die Tiere her.

Die Leuchtkrebse hatten inzwischen ein Wunder vollbracht,
unter Wasser leuchtete eine Koralle, mitten in der Nacht.
Sie zuckten zusammen, als ihre Feinde kamen.
Doch diese zogen friedlich ringsum ihren Bahnen.

So schwammen in dieser ganz besonderen Nacht,
Wale, Delfine, Fische, ja sogar die Haie ganz sacht.
Seepferdchen, Kraken, Schildkröten … um die Koralle ein Tanz,
und in den Augen der Tiere ein friedvoller Glanz.

Die Krebschen leuchteten, flackernd und hell,
und als es Morgen wurde, zack, verschwanden sie schnell.
Doch eines war ganz sicher und allen Tieren klar,
es gibt diese heilige Nacht auch im nächsten Jahr.



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Fragt eure Eltern!




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